Wohnformen

Die Kalkbreite ist getragen von der Idee des gemeinschaftlichen Wohnens und Arbeitens, als ein Stück Stadt in der Stadt, verwoben mit den umliegenden Quartieren. Neben Wohnungen für Familien und kleinere Wohngemeinschaften bietet die Kalkbreite Raum für andere, zum Teil neuartige Wohnformen: Gemeinschaftswohnungen mit 6½ bis 9½ Zimmern sowie Einpersonenwohnungen, die zu sogenannten Clustern gruppiert sind. Zudem gibt es einen Grosshaushalt, in dem sich rund 50 Bewohnerinnen eine gemeinschaftliche Infrastruktur teilen.

In der Genossenschaft haben verschiedene Wohnformen und Lebensmodelle Platz. Bei Veränderungen ihrer Lebenssituationen und Bedürfnisse sind die Bewohnerinnen eingeladen, ihre Wohnung innerhalb der Genossenschaft für einen Wechsel zur Verfügung zu stellen. Damit können Rochaden ermöglicht, Unterbelegungen verhindert und die sich verändernden Raumbedürfnisse befriedigt werden.

Für die Deckung eines steigenden Raumbedarfs stehen auch die sogenannten Wohnjoker zur Verfügung: über das ganze Gebäude verteilte Einzelzimmer, die für begrenzte Zeit zu einer Wohnung hinzugemietet werden können.

Woh­nen mit Kin­dern

Die Genossenschaft unterstützt und fördert alternative Familienmodelle. So werden nicht nur Wohnungen für «konventionelle Familien» zur Verfügung gestellt, sondern auch grössere und kleinere Wohnungen. Patchworkfamilien, Alleinerziehende mit Kindern, Grossfamilien oder Familien-WGs sind in der Kalkbreite willkommen und tragen zur Diversität der Bewohnerinnen bei. Wo nötig, kann mit kleineren baulichen Veränderungen auf spezielle Bedürfnisse reagiert werden. Alternative Familienmodelle können auch in der Vermietung speziell gefördert werden.

Mitarbeit und Mitsprache von Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche sind den Erwachsenen in der Kalkbreite grundsätzlich gleichgestellt: Sie können in partizipativen Strukturen mitarbeiten (z.B. im Gemeinwerk) und mitbestimmen. An der Generalversammlung haben Kinder kein Stimmrecht.

Die Kinder und Jugendlichen werden ermuntert, einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten. Im Rahmen des Gemeinwerkes können sie sich engagieren und einbringen. Sie dürfen eigene Projekte konzipieren und durchführen und dazu Budgets beantragen (z.B. für Malkurse, Kinderflohmarkt, neue Spielplatz-Elemente etc.). Bei der Aus- und Umgestaltung des Spielplatzes können die Kinder partizipieren und ihre Wünsche einbringen. Der Spielplatz wird modular erstellt, so dass er auf einfache Weise umgebaut werden kann und den Bedürfnissen verschiedener Altersstufen entspricht.

Alle Informationen und Mitmachangebote werden möglichst kindgerecht vermittelt. Kinder und Jugendliche können in einem eigens dafür eingerichteten Briefkasten in der Halle Anliegen und Anregungen deponieren, die im Gemeinrat traktandiert werden sollen.

Jugendliche und eigenständiges Wohnen

Die Genossenschaft fördert das eigenständige Wohnen von Jugendlichen ausserhalb der Familienwohnungen:

Wohnjoker: Die Wohnjoker können unter anderem an Familien vergeben werden, die für ihre Teenager ein zusätzliches Zimmer brauchen, um ihnen damit einen ersten Schritt in die Selbstständigkeit zu ermöglichen.

Jugend-Wohngemeinschaften: In der Kalkbreite gibt es eine von der Stadt Zürich unterstützte Jugendwohnung für 16 bis 26-Jährige; die Vermietung erfolgt nach den städtischen Richtlinien. Auch durchmischte WGs mit Jugendlichen und älteren Mitbewohnerinnen werden gefördert.

Gross­haus­halt

Im Grosshaushalt leben Menschen aus verschiedenen Individual-Wohnungen zusammen und betreiben gemeinsam einen Haushalt. Diese Wohnform bietet den Bewohnerinnen die Möglichkeit, ihre Single-, Paar- oder Gemeinschaftshaushalte auf ein grösseres Ganzes mit einem intensiveren Austausch untereinander auszudehnen. Zusätzlich zur individuellen Wohnung gibt es Gemeinschaftsräume, die den Alltag im Grosshaushalt wesentlich prägen.

Das Herzstück des Grosshaushalts bilden die gemeinsame professionelle Küche mit einer angestellten Köchin sowie der Ess- und Aufenthaltsraum. Der Ess- und Aufenthaltsraum dient den Bewohnerinnen als grosses Wohnzimmer und Treffpunkt zum gemeinsamen Reden, Essen, Spielen, Trinken und Feiern. Hier ist Platz für Weihnachtsessen, Jassturniere, Wichteln, Geburtstagspartys, einen Brunch oder einfach für gemütliches Zusammensein.

Von Montag bis Freitag wird am Abend für alle ein Essen zu einem moderaten Preis angeboten. Dabei entscheiden die Bewohnerinnen selbst, ob sie sich dem gemeinsamen Essen (per Anmeldung) anschliessen oder ihre Mahlzeit individuell planen. Das gemeinsame Essen ist durch den Einkauf grösserer Mengen und die geteilte Infrastruktur ökologisch vorteilhaft.

Die Wohnungen des Grosshaushalts liegen über dem gemeinsamen Ess- und Aufenthaltsraum. Sie bilden keine abgeschlossene Einheit und sind Teil der Kalkbreite.

Organisation

Die Bewohnerinnen des Grosshaushalts organisieren sich als eigenständiger Verein. Jede Bewohnerin des Grosshaushalts ist zugleich Genossenschafterin der Kalkbreite. Der Verein Grosshaushalt regelt lediglich die Organisation der gemeinsam genutzten Räume und ist für alle Belange der gemeinsamen Küche zuständig.

Finanzierung

Die Wohnungsvermietung erfolgt über die Genossenschaft. Die Miete und die Nebenkosten von Küche und Ess- und Aufenthaltsraum sind anteilsmässig Teil der Wohnungsmieten. Die Betriebskosten setzen sich zusammen aus der Miete von Küche und Essraum, der Einrichtung, dem Lohn des Küchenpersonals, sowie den Nebenkosten administrativen Kosten, Reserven für Unterhalt und Ersatz der Ausstattung, sowie für Unvorhergesehenes.

Die Betriebskosten pro Wohnung berechnen sich nach der Anzahl Schlafzimmer (Beispiel: Für eine 3.5-Zimmerwohnung fallen zwei Anteile Betriebskosten an). Für ein Zimmer, das von einem oder mehreren Kindern belegt wird, fällt ein halber Anteil Betriebskosten an. Die Kostendifferenz wird auf alle Mitglieder des Grosshaushalts verteilt. Für ein Zimmer, das von zwei Personen bewohnt wird, fällt ein Anteil Betriebskosten an. Mit diesem Modell wird Wohnen mit Kindern im Grosshaushalt intern subventioniert und dichteres Wohnen gefördert. Die Betriebskosten betragen ca. CHF 140.- pro Monat.

Vermietung

Die Wohnungen des Grosshaushalts unterliegen dem Vermietungsreglement und dem Konzept der sozialen Durchmischung der Genossenschaft. Da der Grosshaushalt ein Fünftel der Bewohnerinnen der Kalkbreite ausmacht, wird ein Einsitz durch den Verein in der Vermietungskommission angestrebt. Bei der Neuvermietung von Wohnungen im Grosshaushalt hat der Verein ein Mitbestimmungsrecht.

Gemeinsame Küche

Für das Essen werden möglichst biologische, regionale und saisonale Zutaten verwendet. Es wird täglich ein vollwertiges Menu angeboten. Der Küchenbetrieb wird kostendeckend betrieben. Es wird ein Betrag von ca. CHF 9.– pro Essen kalkuliert, wobei Kinder bis 11 Jahre gratis und Jugendliche bis zum Abschluss der Ausbildung zum halben Preis essen können.

In Absprache mit dem Verein Grosshaushalt kann die Küche kostenpflichtig von Dritten genutzt werden. Der Essraum – das Wohnzimmer des Grosshaushalts – bleibt den Bewohnerinnen und ihren Gästen vorbehalten.

Partizipation

Der Grosshaushalt lebt eine Kultur der Offenheit; Gäste und Freunde der Bewohnerinnen sind herzlich willkommen, und die Bewohnerinnen beteiligen sich am Leben in der Kalkbreite.

Die Bewohnerinnen entscheiden selbst, an welchen Tagen sie im Grosshaushalt und wann individuell kochen/essen, wobei diese Entscheidung keinen Einfluss auf den fixen Betriebskostenbeitrag hat.

Es soll für Zugewandte innerhalb und ausserhalb der Kalkbreite möglich sein, am Grosshaushalt zu partizipieren, indem sie Essensabos lösen oder dem Grosshaushalt als Satellitenwohnung angeschlossen sind. Die Abokosten enthalten die Essenskosten sowie einen noch festzulegenden Anteil Betriebskosten. Die Anzahl der externen Abos wird vom Verein Grosshaushalt festgelegt; Richtschnur ist die Gewährleistung des «Wohnzimmercharakters» des Essraums.

Clus­ter

Zu jedem Cluster gehört ein Gemeinschaftraum, den die Cluster-Bewohnerinnen zusammen nutzen und über die Wohnungsmiete finanzieren. Der Gemeinschaftsraum ist das eigentliche Kernstück des Clusters. Er ist der verbindende Gegenpol zur individuellen Kleinwohnung, der Ort des Austauschs, eine Begegnungszone, ein Aufenthaltsbereich, ein Ort, um Gäste zu bewirten und ein Freiraum.

Wer wohnt im Cluster?

Das Wohnen im Cluster ist ein wichtiger Bestandteil des Gesamtprojekts. Die Kalkbreite bietet allen Interessierten, die sich nicht in klassischen Familienstrukturen bewegen und sich in keine typische Wohngemeinschaft einbringen möchten, mit den Clustern die Möglichkeit, alleine, individuell und selbstbestimmt zu wohnen und gleichzeitig an der Gemeinschaft teilzunehmen und sie mitzugestalten.

Ein Cluster ist eine einmalige Kombination von Gemeinschaft und «Klausur». Der Individualbereich ist grösser und mit Bad und Küche umfangreicher als bei einem reinen WG-Zimmer und bietet ausreichend Rückzugsmöglichkeit. Gerade Bewohnerinnen mit langjähriger WG-Erfahrung schätzen den Zugewinn an Privatsphäre, ohne auf die Gemeinschaft verzichten zu müssen.

Das Angebot richtet sich vornehmlich an Menschen, die gerne selbstständig wohnen und ihre eigene Privatsphäre schätzen, aber gleichzeitig das Leben in ihrer Gemeinschaft pflegen und mittragen möchten. Die Wohnungen sind durch ihre kompakten Abmessungen auf die Bedürfnisse einer Person zugeschnitten. Die Cluster bieten Möglichkeiten für das Wohnen bis ins hohe Alter hinein. Für Kinder ist diese Wohnform weniger geeignet, eine familienübergreifende Belegung mehrerer Wohneinheiten ist nicht vorgesehen. Angestrebt wird eine gute Durchmischung der Bewohnerschaft: eine Vielseitigkeit von Interessen, Altersstufen, Tätigkeiten etc. sowie ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen.

Siedler und Nomaden

Es gibt vielfältige Vorstellungen des Zusammenlebens in einem Cluster. Ihnen werden mit den drei unterschiedlichen Cluster-Typen «Siedler», «Nomaden» und «Grosshaushalt» entsprechende Angebote entgegengebracht:

Die «Siedler» betrachten ihren Gemeinschaftsraum als ihr privates Wohnzimmer, als Ergänzung ihrer Kleinwohnung. Sie nutzen ihn exklusiv und möchten ihn hauptsächlich mit ihren Nachbarn aus dem gleichen Cluster teilen. Sie richten ihn selbst mit ihren eigenen Möbeln nach ihren Wünschen wohnlich ein.

Die «Nomaden» haben diesen privaten Anspruch nicht. Die Ansprüche an das Zusammenleben in der eigenen Cluster-Gemeinschaft sind unverbindlicher als bei den Siedlern. Die Nomaden öffnen ihren Gemeinschaftsraum auch für die übrigen Bewohnerinnen und pflegen verstärkt den offenen Austausch auch über die Grenze ihres Clusters hinaus.

Der Cluster «Grosshaushalt» ist in die Struktur des Grosshaushalts eingebunden. Er hat wie die anderen Cluster einen Gemeinschaftsraum, allerdings ohne Küche: Zum gemeinsamen Essen wird das Mahlzeitenangebot des Grosshaushalts genutzt.

Vermietung

Die Erstvermietung erfolgt nach den üblichen Vermietungskriterien, die Interessentinnen bewerben sich einzeln auf bestimmte Wohnungen. Bei der Wiedervermietung einer Cluster-Wohnung werden die Bewohnerinnen des Clusters einbezogen. Das gilt für alle drei Cluster-Typen.

Elektro-Sharing

Die Wohnungen eines Clusters teilen sich einen Stromzähler und einen Multimedia-Anschluss und müssen sich auf die Kostenverteilung einigen. Da die Anschlussgebühren durch die gemeinsame Nutzung minimiert werden, sind die Kosten insgesamt bedeutend tiefer als bei Einzelanschlüssen.

Bar­rie­re­frei­heit

Die Kalkbreite bietet mit sehr wenigen Ausnahmen barrierefreie Zugänge zu gemeinschaftlichen Aussen- und Innenräumen, zu Gewerberäumen und Wohnungen sowie zu Treppenhäusern, Liften und Gärten. Wohnungsintern entsprechen fast alle Zimmeranordnungen, Bäder und Küchen den Platzbedürfnissen von Rollstuhlfahrerinnen oder sind anpassbar.

Nutzungsspezifische Anforderungen wie etwa die Höhe und Platzierung der Armaturen können auf Wunsch individuell angepasst werden. Die Anforderungen unterschiedlicher Nutzerinnen führte in der Planung allerdings auch zu Zielkonflikten. Baulich hat die Genossenschaft versucht, einen sinnvollen Kompromiss zu finden, der möglichst vielen Menschen freien Zugang ermöglicht.

Barrierefreies Bauen ist nur eine der Grundlagen für ein Wohnumfeld, das niemanden wegen der persönlichen Lebenslage ausschliesst. Im Alltag sind daneben auch gegenseitige Unterstützung, nachbarschaftliche Hilfe und Solidarität erforderlich.

Woh­nen im Alter

Die Kalkbreite bietet den Bewohnerinnen – gerade auch in den Clusterwohnungen – die Chance, ihr Leben bis ins hohe Alter selbständig zu gestalten und zugleich mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben. Neben günstigem, hindernisfreiem Wohnraum bietet sie Raum zur sozialen Vernetzung und ein breites Angebot an Dienstleistungen:

Woh­nen & Ar­bei­ten

Für eine nachhaltige Mobilität, zur Stärkung der Gemeinschaft und häufig auch aus persönlichen Gründen ist es sinnvoll, dass Menschen, die in der Kalkbreite wohnen, auch im Haus arbeiten können und umgekehrt. Die Genossenschaft stellt dazu unterschiedliche Räume zur Verfügung:

Ein detaillierter Beschrieb der Angebote findet sich im Leitfaden Wohnen und Arbeiten.

Wohn­jo­ker

Ein Wohnjoker ist ein separates Zimmer, das sich zu einer Wohnung hinzu mieten lässt. Die neun Wohnjoker liegen im Hausteil Badenerstrasse vom 3. bis zum 6. OG vor den Treppenhäusern und sind direkt über diese erschlossen. Sie verfügen über eine eingebaute Nasszelle mit Dusche/WC, haben aber keine Küche. Mit Flächen von 27 bis 29 m² sind die Zimmer vergleichsweise gross.

Die Wohnjoker dienen der räumlichen Flexibilität der Wohnungen, indem sie einen vorübergehend gestiegenen Raumbedarf einzelner Bewohnerinnen oder Wohngruppen auffangen können: Die Grossmutter, die ihr Haus aufgibt und zur Familie ziehen will, der flügge werdende Jugendliche, die neu zugezogene Geliebte oder auch der frisch verlassene Partner können hier eine passende Bleibe finden. Sie schlafen, lesen und surfen im Joker, halten sich zum Essen und für das gemeinsame Wohnen aber in der «Stammwohnung» auf.

Die Wohnjoker werden befristet vermietet; die Frist richtet sich nach dem Bedarf und kann je nach Situation zwischen 6 Monaten und einigen Jahren betragen. Familien oder Wohngemeinschaften, bei denen der Auszug eines Mitglieds – z.B. eines bald erwachsenen Kindes – absehbar ist, können sich bereits bei Bezug für einen Wohnjoker bewerben.

Die Wohnjoker werden durch die Vermietungskommission vergeben. Werden einzelne Joker hausintern nicht beansprucht, können sie mit befristeten Verträgen auch an Dritte vermietet werden. Anstelle des üblichen Pflicht-Anteilkapitals muss die Jokermieterin eine Kaution leisten.

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